Vom Churer Stadttheater zum Theater Chur
Seit dem 17. Jahrhundert suchten immer wieder Wandergruppen in Graubünden auf, und von 1864 bis 1874 gab es in der Bündner Kantonshauptstadt auch ein «Schauspielhaus», doch die Geschichte des Churer Stadttheaters beginnt eigentlich erst 1876. Damals gastierten hier die Österreicher Julius und Klaus Faust und blieben mit ihrem Ensemble in Chur hängen. Im «Casino» zogen sie einen regelmässigen Theaterbetrieb auf.
1895 übernahmen der Deutsche Carl Senges und dessen Gattin Minna Faust (Tochter von Julius) die Leitung und verlegten die Bühne 1924 in den neuen Saal des «Rätushof». Während dieser Ära, die bis 1945 anhielt, wurde ein durchgehender Saisonbetrieb eingeführt. Er dauerte vom 1. Januar bis 30. April und umfasste Gastspiele in Davos und Glarus. Im Sommer gastierte man am Kurtheater Rheinfelden und im Herbst in Aarau.
Während der Direktionszeit von Markus Breitner vom Sommertheater Winterthur (1949-1971) musste die Bühne 1955 ins Rhätische Volkshaus umziehen. Vier Jahre später konnte das von Martin Risch und Walter Sulser aus dem umgebauten ehemaligen Zeughaus erstandene neue Stadttheater an der Grabenstrasse eingeweiht werden. Breitner folgten personell und finanziell turbulente Jahre. Konnte der Konkurs 1975 noch durch eine Rettungsaktion abgewendet und der temporäre Produktionsbetrieb mit eigenem Ensemble gesichert werden, entschieden die Churer Stimmbürger 1992, das Stadttheater fortan nur noch als Gastspielhaus zu führen.
Im Hinblick auf eine neue Trägerschaft erfuhr das Haus ab der Saison 2006/7 unter Leitung von Markus Luchsinger und dem Namen Theater Chur eine Neuorientierung als Koproduktionshaus für freie Produktionen im Tanz- und Theaterbereich sowie als Aufführungsort eigens für das Haus konzipierter Konzertreihen.
Nach dem überraschenden Tod von Markus Luchsinger im Juli 2009 wurde das Haus bis Juli 2010 interimistisch vom Dramaturgen Mathias Balzer geleitet. Die neue künstlerische Leiterin, Ute Haferburg, hat ihre Stelle am 1. Januar 2010 angetreten; mit einem 50%-Pensum hat sie die Saison 2010/11 vorbereitet und seit August 2010 die künstlerische und geschäftsführende Leitung des Theaters Chur vollumfänglich übernommen.









