• BACHKANTATEN AUF DER BÜHNE
BACHKANTATEN AUF DER BÜHNE – Ein Gespräch mit Regisseur Peter Konwitschny, Dirigent Michael Hofstetter, Ausstatter Helmut Brade & Dramaturgin Ute Haferburg

«Falsche Welt, dir trau ich nicht!
Die Redlichkeit ist aus der Welt verbannt,
Die Falschheit hat sie fortgetrieben,
Nun ist die Heuchelei
An ihrer Stelle blieben.»
Johann Sebastian Bach, BWV 52

«Theater ist dazu da, den Menschen daran zu erinnern, was er ist, ein Mensch!»
Peter Konwitschny

Mit seinen Inszenierungen der grossen Werke der Opernliteratur hat er international Regiegeschichte geschrieben. Seit vielen Jahren schon fasziniert den Regisseur Peter Konwitschny aber auch die szenische Realisierung eines viel intimeren Formats, der ‹Minidramen› der Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs. An der Oper Leipzig und am Theater Chur hat er bereits fünf Abende mit Kirchenkantaten inszeniert. In seinem neuen, sechsten Bachkantatenabend «Falsche Welt, dir trau ich nicht!» in der Ausstattung seines langjährigen Bühnenbildners Helmut Brade vereint Konwitschny die titelgebende Kantate BWV 52 «Falsche Welt, dir trau ich nicht» mit BWV 199 «Mein Herze schwimmt in Blut» und BWV 26 «Ach wie flüchtig, ach wie nichtig» zu einem Bilderbogen menschlicher Schicksale in unterschiedlichen Lebensstadien. Wir folgen der Biografie einer Frau zwischen Lebensfreude, Aufbruch, Enttäuschung und Vereinsamung. In der dritten Kantate begegnen wir der Frau wieder – in einem Altersheim, in dem von der produktiven Gesellschaft abgeschobene betagte Menschen ihre erloschene «Lebensfreude in Traurigkeit» (BWV 26) und Vergessen verschliessen.
Peter Konwitschny nimmt Bachs eindrückliche Kirchenmusik und ihre Texte aus dem Kontext des barocken Glaubens und überträgt ihre faszinierende dramatische Kraft in unsere Lebensrealität. Darin enttarnt er die doppelbödige Moral unserer gegenwärtigen "gottlosen" Gesellschaft. Er übersetzt den religiösen Auftrag und die Empathie des barocken Glaubens in die Problematik unserer Lebensrealität zwischen sozialer Verantwortung und kollektiver Ignoranz.