• SAPONE BLU
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SAPONE BLU – Francesco Bianchi ist etwa Mitte fünfzig, in der Schweiz eingebürgerter Italiener, und er hat Waschtag. Da ereilt ihn die Todesnachricht aus seiner Geburtsstadt Pozzallo, einem gemütlichen kleinen Flecken im Süden von Sizilien: Sein Onkel ist gestorben, die Beerdigung ist am nächsten Tag. Man stirbt doch nicht an einem Schweizer Waschtag! Also nix wie los, mit dem tropfnassweissen Hemd aus der Trommel der Waschmaschine. Im Nachtzug von Rom nach Syrakus begegnet Francesco einer Familie aus Eritrea, die in Pozzallo nach ihrem Cousin suchen will. Die Familie betreibt in Rom eine gut laufende Pizzeria, aber der Cousin soll – wenn sie ihn überhaupt finden – weiter reisen in die Schweiz. Francesco könnte da ja vielleicht eine Hilfe sein. Die Begegnung ruft in ihm die Vergangenheit wach: Als Kind wurde Francesco von seinen Eltern bei seiner Tante zurückgelassen, als sie sich in die Schweiz aufmachten. Später holten sie ihn illegal in die Schweiz nach, und er musste sich tagsüber im Schrank verstecken. Seine Reise in die Vergangenheit geht in Pozzallo weiter… Francesco gehört zu den Kindern, die in den 60er Jahren von ihren Eltern bei Verwandten gelassen wurden, als die Eltern in die Schweiz zum Arbeiten reisten. Wurden die Kinder nachgeholt, dann oft illegal, sie mussten sich verstecken – man nennt sie auch ‹Schrankkinder›–, sie gingen nicht zur Schule, verbrachten ihre Zeit isoliert, ohne Kontakt zu anderen Kindern und lernten weder Sprache noch Kultur kennen. Nun sind die ‹Schrankkinder› wieder da – Kinder von ‹Sans Papiers›, meist Nicht-Europäer ohne Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung in der Schweiz und mit ihnen ihre rechtlosen Kinder. In SAPONE BLU geht es um diese Kindheitserfahrung und um die Frage, wann man aufhört, ein Ausländer zu sein.