• IN DEN HIMMEL SCHAFFT MAN ES SCHON ZU LEBZEITEN
  • IN DEN HIMMEL SCHAFFT MAN ES SCHON ZU LEBZEITEN
  • IN DEN HIMMEL SCHAFFT MAN ES SCHON ZU LEBZEITEN
  • IN DEN HIMMEL SCHAFFT MAN ES SCHON ZU LEBZEITEN
IN DEN HIMMEL SCHAFFT MAN ES SCHON ZU LEBZEITEN
Ensemble ö! / Konzertreihen
6. Konzert mit Werken von Alban Berg, Meinrad Schütter, Peter Eötvös, David Sontòn Caflisch & Hans-Jürg Meier
Im Abschlussprogramm der Saison wird das Leitthema der ganzen Saison noch einmal exemplarisch widergespiegelt, indem Werke erklingen, die im allerbesten Sinne unterhalten. Als roter Faden führen verschiedene Gedichte durchs Programm, die den Titel des Abends beleuchten:
Attila Joszef "Nacht am Stadtrand" (Attilas Nacht von David Sontòn Caflisch), Heinrich Heine "Dreistimmige Musik" (Serenade von Meinrad Schütter) und Novalis ("Fern im Osten wird es helle" von Meinrad Schütter).

Alban Berg (1885-1935)
Klaviersonate op. 1 (1909)

Meinrad Schütter (1910-2006)
„Fern im Osten wird es helle“ (2001)
für Sopran, Flöte und Klavier

Serenade für Singstimme und Streichtrio (1934/1970)

Peter Eötvös (* 1944)
„Psy“ (1996)
für Flöte, Violoncello und Klavier

David Sontòn Caflisch (* 1974)
„Attilas Nacht“ (2013)
für Sopran, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier

Hans-Jürg Meier (1964-2015)
„la soglia sotto il soglio“ (2006)
für Klaviertrio

„Komponisten aus Graubünden und Basel und mit Inspirationen für dieselben“

Der Titel des Programms suggeriert, dass es einerseits im Wesen der Musik liegt, himmlische Sphären ansprechen zu können. Andererseits deuten die verschiedenen Gedichte darauf hin, dass es durchaus im irdischen Leben (oder vielleicht nur dort?) möglich ist, das mystische Abstraktum Himmel oder - konkret gesprochen - eine innere Ruhe, zu erlangen.

Der wichtigste Bündner Komponist des 20. Jahrhunderts war wohl Meinrad Schütter. Er war ein Mensch von kompromisslosem Geist, der sich dort wo er wollte sein Handwerk aneignete (z.B. bei namhaften Komponisten wie Willy Burkhard oder Paul Hindemith).
Politisch mehr als konsequent blieb er bei seinem ganzen Weitblick der Stadt Chur und dem Kanton Graubünden immer treu in seinen 96 Lebensjahren. ö! will diesen wichtigen Bündner Komponisten in diesem Konzert mit je einem Früh- und einem Spätwerk ehren. Eines der Werke wurde in Chur, das andere in Basel uraufgeführt.
Mit den zwei Gedichtvertonungen von Schütter wird die Gedichtvertonung von David Sontòn Caflisch, dem zweiten Bündner Komponisten des Programmes, konfrontiert. Diese Gegenüberstellung ermöglicht den direkten Vergleich zweier Komponisten aus demselben Raum und aus verschiedenen Generationen. Beiden war bzw. ist die Verbundenheit mit der Heimat wichtig.

Ein weiterer Komponist, dem Graubünden sehr wichtig war, ist Hans-Jürg Meier. Eben erst völlig unerwartet im Dezember 2015 verstorben, hat er sich mit der Region, in der sich seine Eltern kennenlernten, immer wieder auch künstlerisch auseinandergesetzt. Insbesondere die Architektur des Kantons Graubünden hat es ihm angetan. Sein Klaviertrio widmet sich den Besonderheiten von architektonischen Baudetails der Häuser aus Soglio. Mit der Aufführung seines Werkes wird in diesem Programm seinem frühen Tod gedacht.
Der älteren Musik von Berg und Schütter werden zwei zeitgenössische Werke als Reflexionen gegenübergestellt.

Alban Bergs einsätzige Klaviersonate op. 1, in vielerlei Hinsicht unübertreffbar, vereint auf kurzem Zeitraum eine solche Fülle an Emotionen, dass sie auch als ein starkes Konzentrat an Lyrik bezeichnet werden kann. Sie bildet zu diesem Programm gewissermassen die Ouvertüre, an deren Anschluss sich die Werke reihen, die sich dann jeweils mit einem einzelnen Gedicht konkret befassen und die Fülle, die bei Berg erlebbar war, auffächern.
Die beiden Lieder von Meinrad Schütter entstanden in einem zeitlichen Abstand von 67 Jahren. Sie sind nur ein kleiner Aspekt aus seinem Schaffen, geben aber mit einem Früh- und einem Spätwerk einen klaren Eindruck von seiner sehr eigenen Art zu komponieren, die häufig als sperrig bezeichnet wird. In beiden Werken ist sein Bemühen abstraktes Denken mit grosser Emotionalität zu verbinden, gut zu erkennen.
"Attilas Nacht" ist eine Vertonung des Gedichtes "Nacht am Stadtrand" von Attila Jószef, zugleich aber auch eine Widmung an Jószefs Leben, das schwer gezeichnet war von Elend und Unglück. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Bedeutung der Nacht durch sein Schaffen und Leben. Das in diesem Werk vollständig rezitierte, 18-strophige Gedicht wird in der Musik nur sehr subtil und hintergründig illustrativ vertont. Vielmehr lehnt es sich formal und motivisch an das sehr reiche und in hierarchischer Ordnung verwendete Vokabular des Dichters an. Die Kombination von konkreten Taktarten und space-notation innerhalb der Takte erlaubt den Interpreten eine gewisse Gestaltungsfreiheit und verleiht der Musik etwas Schwebendes.

Eine ähnliche Schreibweise wählt Peter Eötvös in seinem Trio "Psy". Es handelt sich dabei um eine Meditation über den Psychokosmos, also den unergründlichen Kosmos jedes Einzelnen. Im Programm ermöglicht dieses stille Werk dem Hörer das bereits Gehörte zu reflektieren.