• DIE FRAU UND DIE STADT
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DIE FRAU UND DIE STADT – In einer kalten Nacht im Februar 1943 verlässt die Dichterin Gertrud Kolmar ihre Wohnung in Berlin-Schöneberg und macht sich auf den Weg. Ihr Ziel: die Siegessäule, ein 67 Meter hohes Monument aus der Kaiserzeit. Sie will die Wendeltreppe im Innern des Baus emporsteigen und ihrem Leben mit einem Sprung von der Aussichtsplattform ein Ende setzen. Ein Leben, das unter den Nazis aus den Fugen geraten ist. Einquartiert in einem der so genannten Judenhäuser, fristet Gertrud Kolmar ein Dasein als Zwangsarbeiterin. Ihr Vater ist bereits verschleppt worden. Die 48-jährige Dichterin selbst rechnet täglich mit ihrer Deportation. Gertrud Kolmar hat es wirklich gegeben – die nächtliche Wanderung zur Siegessäule ist allerdings literarische Fiktion. Ersonnen hat sie die deutsche Dramatikerin Gerlind Reinshagen. In ihrer Erzählung DIE FRAU UND DIE STADT lässt sie die jüdische Dichterin in einem acht Stationen umfassenden Monolog mit ihrem Schicksal hadern – vom «letzten Zimmer, zuhaus» bis zum «Treppenhaus der Siegessäule, fast am Ausgang». Am Ende lässt Reinshagen ihre Heldin die 285 Stufen wieder hinuntersteigen, ahnend, dass ihr Leben in einem der deutschen Vernichtungslager enden wird. Auf der Suche nach neuen theatralen Darstellungsformen hat das Künstlerpaar Martina Roth und Johannes Conen sein Bewegtbildtheater entwickelt. Konsequent werden Schauspiel und Projektionstechnik miteinander verquickt, bis ein neues ästhetisches Profil entsteht. In DIE FRAU UND DIE STADT erinnern Roth und Conen an die vergessene deutsche Dichterin Gertrud Kolmar: Geboren 1894 in Berlin, ermordet 1943 im Konzentrationslager Auschwitz.