• DIE FLEDERMAUS
DIE FLEDERMAUS – Langeweile kann tödlich sein. Vor allem in einer Welt, in der es laut Gesetz verboten ist, sich zu langweilen. Die Figuren der FLEDERMAUS leben in der Welt der Operette, beherrscht von den Zwängen des Amüsements. Eine Party jagt die nächste, alle stehen kurz vor dem Spaß-Burnout und fragen sich: Werden wir uns je wieder stressfrei amüsieren? Ja! Aber nur mit einer Einladung zur ultimativen Party. Prinz Orlofskys Feste sind legendär: die geilsten Drogen, der schärfste Sex. Und immer hat Orlofsky noch eine kleine Überraschung parat, mit der keiner gerechnet hat, nicht in seinen schlimmsten Albträumen...

Sehr erfolgreich hat Jonas Knecht 2010 am Theater Chur ‹Vrenelis Gärtli› von Tim Krohn inszeniert. Nun wagt er sich an eine Operette, und zwar gleich an die berühmteste. Doch ihr späterer Erfolg als Silvesterstück wurde der Fledermaus nicht bei der Premiere gesungen. 1874 war sie ein Flop, das Publikum ratlos. Ein Jahr zuvor, Wien, 1873: Im Wonnemonat Mai kollabiert die Börse, ein Schwarzer Freitag treibt viele rechtschaffene Männer in den Selbstmord. Gerade waren sie noch reich, jetzt müssen sie sogar den Strick auf Pump kaufen, in den sie ihre Hälse stecken. Die erste Wiener Weltausstellung auf dem Pratergelände wird eröffnet: ein hochkarätiger Erlebnispark mit hochkarätigen Investoren. Beim Fallen der letzten Herbstblätter schließen sich die Pforten zur Weltausstellung, und sie geht als finanzielles Debakel in die Geschichte ein. Keine Frage: Wir haben es in der Fledermaus mit einer Ökonomie der Verausgabung zu tun: deswegen ist das Wirtschaften auch so anstrengend. Die Exzesse der Verstellung, das Anwachsen der Hinterlist, die ständig überhitzte erotische Begehrlichkeit – man fragt sich schon im ersten Akt, wie lange die Figuren das eigentlich noch durchhalten. Die Antwort: so lange es geht, am besten bis zum Ende des Stücks, im Idealfall für immer. Wenn die Figuren am Ende des letzten Aktes in hysterischer Vorfreude auf die nächste Party die nächste Party besingen, dann machen sie kein Hehl daraus, was der eigentliche Motor ihrer unermüdlichen Spaßarbeit ist: Angst.